Die Männer finanzieren das Pensionssystem - die Frauen beschweren sich
Karl Blecha und Andreas Khol sind alte Männer. Die Pensionistensprecher der Regierungsparteien beharren auf einer Erhöhung der Pensionen um 1,9 Prozent für das Jahr 2010. Marie Ringler ist eine junge Frau. Sie findet das empörend und lässt ausrichten: Ich hab's satt, meine Herren!. Vollmundig erklärt sie: "Wir, die wir diese Pensionen finanzieren, leben gleichzeitig in der Realität der neuen Arbeitswelt, die viele existenziell bedroht (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder - so wie bei vielen Junge - keine Chance auf den ersten Job)." Wer ist "wir"?
Marie Ringler lebt nicht in der in der "Realität der neuen Arbeitswelt". Marie Ringler ist Wiener Landtagsabgeordnete. Und das seit ihrem sechsundzwanzigsten Lebensjahr. Davor war sie Geschäftsführerin einer von Steuergeld finanzierten Kulturinitiative. Wiener Landtagsabgeordnete kann man zwar mit einigem Recht als "Kurzarbeiter" bezeichnen, sie haben aber einen festen und sehr gut bezahlten Arbeitsplatz. "Existenziell bedroht" ist sie also sicher nicht. Das ist aber nicht die einzige Ungereimtheit an ihrem Kommentar.
Wenn sie Blecha und Khol dafür kritisiert, "unsere" Zukunft zu verkaufen, hat sie etwas wichtiges vergessen: Das Pensionssystem ist schon seit den Kreiskyjahren im Defizit, also seit mittlerweile dreissig Jahren. Khol und Blecha haben ein Vierteljahrhundert lang ihre Beisträge gezahlt und zusätzlich das Pensionssystem über die allgemeinen Steuern gestützt. Es stimmt, dass unser Pensionssystem einen Fehler hat. Aber den hatte es schon lange, bevor Khol und Blecha daran dachten, Pensionistensprecher zu werden.
Die Pensionen werden von Männern bezahlt und von Frauen konsumiert. Wenn man nur die Beiträge und Auszahlungen der Männer rechnet, ist das Pensionssystem praktisch ausgeglichen. Frauen arbeiten weniger, zahlen weniger ein, leben länger, und dann gehen sie auch noch früher in Pension. Ohne die diversen Anrechnungszeiten und die Diskriminierung beim Pensionsalter könnten Karl Blecha und Andreas Khol in Ruhe ihre Pension geniessen und bräuchten sich nicht um 1,9 Prozent mit Marie Ringler zu streiten.
Wenn es die Grünen wirklich ernst meinen mit der Gerechtigkeit im Pensionssystem, sollten sie sofort die Angleichung des Pensionsalters der Frauen fordern. Ich habe es nämlich auch satt. Mit der Doppelmoral der Grünen Frauen.
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Kommentare
Männer fordern Gleichberechtigung!
Jawohl, wir Männer wollen eigentlich nichts anderes was man auch für allen anderen
fordert und auch erreicht "Gleichberechtigung". Fünf Jahre mehr arbeiten und dabei eine wesentlich kürzere Lebenserwartung, meist eine höhere körperliche Beanspruchung und die dadurch erhöhte Abnützung sowie den die Pflicht und den Druck die Familie zu ernähren und durchzubringen ist unser Los. Ich denke es reicht!
Nachtrag: Marie Ringler verzichtet auf neue Kandidatur
Vielleicht hatte Marie Ringler gar nicht das Thema Pensionen satt, sondern nur die Politik der Grünen? Jedenfalls hat sie heute erklärt, nicht mehr für den Wiener Landtag kandidideren zu wollen. Stattdessen strebt sie eine Tätigkeit im nichtöffentlichen Bereich und außerhalb der Politik an, möglicherweise im Bereich "ethische Finanzmärkte". Das ist gut so. Hoffentlich lassen die Grünen damit den Versuch bleiben, das Pensionsthema ausschliesslich als eine Frage "alter Männer" zu betreiben. Wir wollen gerne über die Pensionen reden. Auch mit den Grünen. Fangen wir gleich mit dem Pensionsalter der Frauen an.
Karl Blecha und Andreas Khol sind alte Männer.
Man sollte bei den Verantwortlichen immer auch die Partei dazuschreiben, damit man sich als Leser gleich auskennt. Den Jungen sagen Namen wie Blecha und Kohl nichts. Unter Belcha (SPÖ) und Kohl (ÖVP) weiß man dann zumindest um welche Partei es geht. Marie Ringler? Diesen Namen höre ich überhaupt das erste Mal.
PS: Habe einen pfiffigen Kommentar gelesen der besagte, dass die SPö nicht wählen ab 16 Jahren, sondern wählen ab 66 Jahren einführen hätte müssen, um bei Wahlen noch zu gewinnen.
Die Männer finanzieren das Pensionssystem
Die Männer müssen arbeiten bis Sie 65 Jahre alt sind, Frauen hingegen nur bis Sie 60 Jahre alt sind. - Ich frage mich da genauso wo hier die Gleichberechtigung ist, nur weil man eine Frau ist werden einem 5 Arbeitsjahre geschenkt? Bzw weil man ein Mann ist muss man 5 Jahre länger arbeiten? Das finde ich eine Frechheit. Man könnte es doch genauso gut so machen, Männer sterben früher, dafür müssen Sie 5 Jahre weniger arbeiten, damit Sie noch mehr von Ihrem Privaten Leben haben. - Aber das geht ja nicht, das wäre ja eine Katherstrophe, das wäre ja keine Gleichberechtigung.
Ich hab es auch satt.
Danke für deinen Blog oph!
mfG
*IronieMode = ON* Das ist
*IronieMode = ON*
Das ist wegen der durchschnittlichen Lebenserwartung der Frauen. Die leben laut Statistik Austria um 6 Jahre länger, müssen also 6 zusätzliche lange Jahre die "schwere Bürde ihres Daseins" ertragen. Die frühzeitige Pension ist doch dann ein "gerechter" und "verdienter" Ausgleich, oder?
*IronieMode = OFF*
Das faktische
Das faktische Pensionsantrittsalter unterscheidet sich aber nur um ein Jahr.
Danke für den Beitrag. Du
Danke für den Beitrag.
Du hast alles darin gesagt daher erübrigt sich ein weiteres Kommentar.
Ganz einfach: Einhaltung der Verfassung = Alle gleich und wir haben diese Probleme alle nicht
Expertenkommentar zu Frauenpension
Univ.-Prof. Theodor Tomandl: "...man muss aber als Tatsache festhalten, dass unser Pensionssystem auf einer massiven Umverteilung von den Männern zu den Frauen aufbaut".
"Es kann keine Rede davon sein, dass Frauen in der Pensionsversicherung benachteiligt wären. Ganz im Gegenteil: Jene Frauen, die ein Leben wie Männer führen, sind eindeutig bevorzugt".
Prof. Dr. Bernd Marin (Sozialwissenschaftler, Pensionsexperte): "...Wenn man immer Teilzeit gearbeitet hat, kann man nicht erwarten, dass man später eine Vollzeitpension erhält".
Habe selber in meiner bisher 15 - jährigen Alleinerzieherschaft von 2 Kindern ohne unentgeltliche Unterstützung (also nur Tagesmutter, Kindergarten, nachmittags Hort), dafür ohne Kindesunterhalt des geschiedenen Elternteils immer GANZTAGS gearbeitet, da wir mit Teilzeit sonst nicht über die Runden gekommen wären, ohne dem Staat (Steuerzahler) auf der Tasche zu liegen.
Wie das zu bewerkstelligen war (ist)??? Nun, ich bin MÄNNLICH...
gleichberechtigung frau-mann?
das 1992 in den verfassungsrang erhobene 5 jahre frühere pensionsantrittsalter für frauen-eine männerdiskriminierung des österreichischen rechtsstaates, die ihresgleichen sucht-wird mittlerweile selbst von frauen, welche aus diesem privilleg vermeintlich vorteile zu ziehen scheinen, zunehmend kritisch gesehen. werden hier doch individuelle umstände (zb kindererziehung), welche den vorzeitigen pensionsantritt in irgend einer weise begründen könnten, völlig ausser acht gelassen. es wäre somit höchst an der zeit, diese geschlechtsbezogene ungleichheit ehestmöglich zu beseitigen und nicht bis zur vollständigen angleichung im jahre 2033 zuzuwarten. da von den österreichischen parlamentsparteien in dieser richtung nichts zu vernehmen ist, vielmehr sich die diskussion ob der leeren pensionskassen um eine generelle erhöhung des pensionsantrittsalters (männer dann ab 67 jahre?) bewegt, bleibt einem allein erziehenden vater wohl nur, auf die umsetzung einer diesbezüglichen (vorhandenen) eu-richtlinie zu hoffen (angesichts der männer- und väterfeindlichen gesetzgebung wohl vergeblich, selbst seitens der arbeiterkammer, eigentlich vertreter ALLER arbeitnehmer wird diese krasse benachteiligung der männer im arbeits- und pensionsrecht gänzlich ignoriert. da wird zb bei der hacklerregelung mit einer selbstverständlichkeit darauf gepocht, dass abschlagsfreie pensionszahlungen mit 45 arbeitsjahren für männer und 40 arbeitsjahren für frauen möglich bleiben müssen, ungeachtet der tatsache, dass eben dadurch die hacklerregelung auch für männer mit 45 aj nicht mehr finanzier- und damit verlängerbar ist), oder mit seinem berechtigten ansinnen selber den rechtsweg gegen die republik österreich vor dem eugh zu beschreiten...
http://mein.salzburg.com/forum/leserbriefe/2009/10/gleichberechtigung-fr...
expertenkommentar zu frauenpension (teil 2)
prof. dr. bernd marin mit noch mehr fakten und zahlen zu frauenpensionen:
http://www.euro.centre.org/data/1196846713_37534.pdf