Erlebnisse aus dem Besuchscafé
Ein Bericht von Valentin M., heute vor kurzer Zeit:
Mein Kind lebt in Kärnten und wird mit viel Kraft und Anstrengung von mir ferngehalten, was schon dadurch leichter fällt, daß ich weit weg, in Vorarlberg, lebe. Trotz aller Mühen der Mutter diesbezüglich habe ich es geschafft: Eine ganze halbe Stunde darf ich jetzt meine Lena sehen, noch dazu in einer so schmucken, familiären Umgebung namens "Besuchscafé"! Und das noch dazu schon nach einem Jahr, seit dem letzen mal. Ich bin schon ganz gespannt, wie vertraut wir uns denn noch sein werden.
Grüßen verboten
Frohgemut trete ich ein, zu meiner Feude sehe ich gleich, daß meine Lena am Schoß der Mutter eisern festgehalten wird und ihr neuer Stiefvater schützend bei Ihr steht, Jaja, bei mir weiß man ja nie... Bloß alle, die mich schon lange kennen, halten mich für die reinste Friedenstaube, doch bei Papa kann man ja nie wissen..
Mit zitternden Knie gehe ich auf meine Lena zu, grüße sie herzlich... Doch: Wie konnte ich das tun! Schützend sxpringt eine Psychologin zur Seite und ermahnt mich: Ich könne doch nicht gleich hergehen und so mein Kind grüßen, erst einmal dürfe ich gar nichts sagen. Wie gut, daß andere mein Kind vor meiner rohen Art schützen, seelig sehe ich mein Vertrauen in unseren Kinderschutz bestätigt. Ich weiß nun gar nicht mehr, was ich tun soll, die Sehnsucht nach Lena zerreißt mich, ich möchte ihr übers Haar streichen und darf nicht.
Köpernähe nicht erwünscht
Stattdessen greift mutig und wirkungsvoll der Kinderschutz, alle sind für meine arme Lena da: Ich werde auf eine Couch gesetzt, ein heldenhafter Sozialarbeiter setzt sich entschlossen neben mich, bewaffnet mit einem Schreibblock, um meine Entgleisungen, die da wohl kommen könnten (bei Papas weiß man ja nie, siehe oben) eisern für die Nachwelt festzuhalten.
Dass Kind braucht die Mutter! (nicht Dich!)
Die Mutter hingegen weiß, wie niemand sonst auf dieser Welt, was für ihr geliebtes Kind gut ist: Sie läßt das Kind nicht loß, in stählern zärtlicher, mütterlicher Umarmung wirft sie sich weiterhin schützend über ihre Tochter. Sie will das Kind nicht zu mir lassen, denn sie weiß und deklariert das laut: Das Kind braucht die Mutter! Sonst noch wen?
Alle sind so lieb zu mir!
Vorher jedoch war die Überraschung perfekt: Meine Ex und ihr neuer Mann grüßen mich ganz lieb und herzlich, beflissen erkundigen sie sich, ob ich eine schöne Fahrt gehabt hätte. Ich bin über so viel Herzlichkeit ganz berührt und ordne meine Gedanken: Wie konnte ich ihn für den Mann halten, der mir im Gerichtssaal den Stinkefinger gezeigt hat, das war doch der, oder? Wer war die Frau, die sich schreiend im Gerichtssaal auf dem Boden gewälzt hat, weil nicht alles nach ihrem Willen gelaufen ist? Diese lieben Menschen können es doch nicht sein. Oder kann es sein, daß sie derart falsch spielen vor den Augen der Psychologin? Ich bringe ob der Freundlichkeit meinen Mund nicht mehr auf. Alle sehen sofort: Da haben wir es, alle sind nett, nur wer wieder nicht: Der Papa!
Wenigstens kommt jetzt noch etwas Schönes: Lena und ich dürfen endlich 20 Minuten lang spielen, alle die Zeit, die Mühen und die Anfeindungen, Demütigungen, kann ich kurz vergessen.
Aber die neunstündige Heimfahrt wird lang, denn ich bin noch nie so wie ein Verbrecher behandelt worden und fühle mich gleich wieder elend.
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