Was nicht im Frauenbericht steht
Niemand lässt sich gerne diskriminieren. Wenn eine Frau nur deswegen, weil sie das falsche Geschlecht hat, weniger bezahlt bekommt, dann sollte das nicht akzeptiert werden. Wird es auch nicht. Wenn ein Betriebsrat beim Einkommensvergleich den Verdacht hat, dass ein Mann nur aufgrund des Geschlechts höher bezahlt wird, muss der Arbeitgeber beweisen, dass der Einkommensunterschied objektiv berechtigt ist. Sonst gibt es Strafen. Das ist seit Jahren vorgeschrieben. Lohndiskriminierung nach dem Geschlecht ist in Österreich verboten. Der jüngste Frauenbericht bestätigt: Es werden praktisch keine Fälle gemeldet, in denen eine Frau für die gleiche Arbeit weniger Geld bekommt.
Wieso erklärt die Gleichstellungsministerin dann, dass Frauen für die gleiche Arbeit 18% weniger Geld bekommen? Wissen kann sie das nicht. Sie unterstellt das einfach. Es gibt keine Statistik, die zeigt, wieviel Gehalt Männer und Frauen für die gleiche Arbeit bekommen. Auch nicht im Frauenbericht. Was es gibt, ist ein Vergleich der Jahreseinkommen. Welche Arbeit hinter dem Jahreseinkommen steht, wissen wir nicht. Diese Daten werden nicht gesammelt. Im Frauenbericht wird versucht, mit unterschiedlichen Vermutungen zu erklären, wieso Frauen ein niedrigeres Arbeitseinkommen haben als Männer. Die 18% Unterschied ergeben sich als "unerklärter Rest", für den manche Statistiker keinen Grund gefunden haben. Oder finden wollten.
Dabei gibt es im Bericht eine Menge Hinweise darauf, warum das "eigene" Einkommen der Frauen niedriger ist. Es wird beklagt, daß Kinderbetreuung Frauensache sei. Daß es gleichzeitig eine Rechtslage gibt, die unverheiratete und geschiedene Väter von ihren Kindern fernhält, wird nicht erwähnt. Dass es 900% mehr alleinerziehende Mütter als alleinerziehende Väter gibt, liegt am Familienrecht und an dessen väterfeindlicher Umsetzung durch Gerichte und Jugendämter. Ausgerechnet die Gleichstellungsministerin besteht darauf, dass Väter weiterhin Eltern zweiter Klasse bleiben sollen. Natürlich kann ein Vater auch heute schon gemeinsame Obsorge für sein Kind leben. Aber das darf er nur, wenn die Mutter das will. Je nach Bundesland wollen das bis zur Hälfte der Mütter nicht.
Women want more, wie Boston Consulting die Studie von 2009 betitelt hat. Und wer ein Spitzeneinkommen haben will, muss sich in anderen Bereichen des Lebens mit "less" zufriedengeben. Wenn sich eine Frau zwischen höherem Gehalt und besserer Lebensqualität entscheiden muss, entscheidet sie sich oft gegen das höhere Einkommen. Frauen haben Wahlfreiheit. Sie können selbst die Verantwortung für das Familieneinkommen übernehmen, sie müssen es aber nicht. Männer werden hingegegen sehr wohl gezwungen. Auch gesetzlich. Männer werden bis unter das Existenzminimum gepfändet, wenn ihr Einkommen nicht so hoch ist wie vom Familiengericht gefordert. Das Gehalt der Männer wird über freiwillige Aufteilung (bei aufrechter Partnerschaft), erzwungene Direkttransfers (nach Scheidung), Steuern und Beihilfen von Männern zu Frauen umgeleitet. Das Ergebnis: Männer verdienen zwar mehr Geld, aber das Geld bleibt ihnen nicht. Frauen haben 160% mehr Geld für privaten Konsum zur Verfügung als Männer.
Wer die Einkommensunterschiede beseitigen will, muss auch Rechte und Pflichten in der Familie angleichen. Aber ausgerechtnet die Gleichstellungsministerin will die Männer noch mehr auf die Rolle des Zahlers und Besuchsonkels reduzieren. Als Bedingung für die Zustimmung zur gemeinsamen Obsorge hat Heinisch-Hosek gefordert, dass Väter nicht nur die Kosten des Kindes, sondern auch den Unterhalt der Mutter bis in die Pension voll übernehmen sollen. Das ist der grosse Widerspruch in der Österreichischen Gleichstellungspolitik. Im Beruf wird alles getan, um Männer aus der Rolle des Alleinverdieners herauszudrücken. In der Familie wird alles getan, um Männer in die Rolle des Zahlers zurückzuzwingen. Damit ist der Misserfolg vorprogrammiert. Aber davon steht im Frauenbericht nichts. Und einen Männerbericht hat die Gleichstellungsministerin nicht vorgelegt.
- oph's blog
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben


Kommentare
männerbericht
interview mit heinisch-hosek am 19. jan. 2009:
frage: "warum gibt es ein frauenministerium und eine männerabteilung im sozialministerium und kein gleichstellungsministerium?"
antwort: "ich bin frauen- und gleichstellungsministerin und sehe mich als diese. es fallen alle gleichbehandlungsangelegenheiten in mein ressort. männer und frauen können sich an die gleichbehandlungskommission und an die gleichbehandlungsanwaltschaft wenden. und das ist gut so." (anm: die gleichbehandlungsanwaltschaft ist eine staatliche einrichtung zum schutz vor diskriminierung. sie untersteht der frauenministerin heinisch-hosek. zu bedenken ist, dass die gleichbehandlungsanwaltschaft lange zeit mit einer 100% frauenquote besetzt war. erst seit dem jahr 2008 gibt es dort den ersten männlichen mitarbeiter. man darf sich als mann also nicht unbedingt ein faires verfahren erwarten...)
wenn alle gleichbehandlungsangelegenheiten ausgerechnet ins ressort der frauenministerin fallen, heißt das nichts anderes, als den sprichwörtlichen bock zum gärtner zu machen (in diesem fall wohl eher die geiss zur gärtnerin)!
um in keinen interessenskonflikt in ihrer funktion als frauenministerin zu geraten, erachtet es heinisch-hosek offenbar als völlig legitim, ihre gleichstellungsambitionen auf das weibliche geschlecht zu beschränken. in einem männerbericht fänden sich zuhauf diskriminierungen, die einer gleichstellung bedürften (väterrechte, ungleiches pensionsantrittsalter, wehr/zivildienst, ...), aber auch diskriminierungen von männern, welche erst im zuge der gleichstellungspolitik (wie absurd!) geschaffen wurden (frauenförderprogramme, bevorzugung von frauen am arbeitsmarkt bei gleicher qualifikation in stellenausschreibungen, ...)
diese missstände, die weder in einem frauen- noch in einem männerbericht stehen beruhen auf fakten, ganz im gegensatz zu den zahlenangaben von 18% weniger einkommen für frauen bei gleicher arbeit, die in keiner statistik nachzulesen sind.
Abeitsverweigerung
Heinisch-Hosek hat einen Amtseid abgelegt, wonach sie an der Gleichstellung von Männern und Frauen im Sinn des Wohles der gesamten Bevölkerung arbeiten will. Das macht sie aber nicht. Sie kassiert das Gehalt, lässt sich mit Steuergeld schulen und verwendet dann ihre Macht als Ministerin, um Männer zu diskriminieren. Damit verweigert Heinisch-Hosek die Arbeit, für die sie angelobt wurde.