Ein Beitrag zur Bildung der Audimax-Besetzer
Heute (28. Oktober 2009) wollen die Besetzer der Universitäten mit Unterstützung der Österreichischen Hochschülerschaft eine Grossdemo in Wien veranstalten. In einer Gratis-Zeitung erklären sie, warum der Protest für ganz Österreich wichtig ist. Wichtig ist der Protest sicher. Aber hilfreich?
Es ist unbestritten, dass die Universitäten echte Probleme haben. Es gibt zu wenig Geld, das Geld wird falsch ausgegeben, die Ausbildung wird immer schlechter, und das Studium dauert viel zu lang. Die Universitäten liegen am Boden. Die Studenten fordern eine bessere Ausbildung. Fordern sie das wirklich?
Kurz zusammengefasst fordern die Studenten Folgendes:
- Freier und kostenloser Universitätszugang für Alle
- Überall mindestens 50% Frauen
- beliebige Umgestaltung der Studienrichtungen nach den Wünschen der Studenten
Abgesehen davon, dass sich die ersten beiden Forderungen gegenseitig widersprechen, stellt sich die Frage: Wie wird das die Ausbildung verbessern? Das kann man deswegen relativ gut bantworten, weil es so eine Studentenbewegung mit solchen Forderungen schon einmal gegeben hat. Vor vierzig Jahren "brannten" die Universitäten auch schon. Und die Kreisky-Regierung der 1970er-Jahre hat einen wesentlichen Teil der Forderungen auch umgesetzt. Und was waren die Folgen?
Genau das, was die Studenten als Grund ihres Protests anführen (überfüllte Hörsääle, zu wenig Geld für gute Froschung, niedrige Qualität der Ausbildung) ist die Folge der Massnahmen gewesen, die von den Kreisky-Regierungen vor mehr als dreissig Jahren umgesetzt wurden. Die Folgen waren im Einzelnen:
Bis Anfang der 1980er-Jahre wurden in grosser Anzahl Universitäts-Assistenten aufgenommen. Die Anforderungen an die Assistenten waren minimal: Ein abgeschlossenes Studium hat schon gereicht. Irgendwelche Anforderungen an eine Kompetenz in Forschung und Lehre gab es nicht wirklich. Die Kreisky-Regierung wollte vor allem die traditionellen Universitäten mit "linken" Jungen Absolventen unterwandern und ein paar tausend junge Leute vom Arbeitsmarkt wegbekommen. Eine unkomplizierte Aufnahme in den Bundesdienst war da vergleichweise billig. Am Anfang.
Die verbeamteten "Assistenten" haben zwar am Anfang wenig Geld gekostet. Aber ihr Gehalt steigt von Jahr zu Jahr automatisch an, ob sie etwas sinnvolles zur Universität beitragen oder nicht. Die Folge: Die Personalkosten der Universitäten steigen jedes Jahr an, obwohl der Personalstand gleich bleibt. Das wird so lange weitergehen, bis diese Gruppe in Pension geht, und das passiert erst in einigen Jahren. Seit mehr als einem Jahrzehnt wird eine "Forschungsmilliarde" nach der anderen in Wahrheit dafür verbraucht, immer höhere Kosten von unproduktiven Beamten abzudecken. Für neue, junge Forscher ist da kein Geld mehr übrig. Jetzt beklagen die Studenten die "prekären" Verhältnisse junger Forscher. Dafür können sie sich bei Bruno Kreisky bedanken.
Der Zugang zur Universität wurde vor einer Generation völlig freigegeben. Damit gab es plötzlich tausende Studenten mehr auf den Universitäten. Diese Studenten haben natürlich mehr Geld verbraucht. Oder hätten. Wenn man sie so gut betreut hätte, wie das für ein ernstzunehmendes Studium erforderlich ist. Das ist aber nicht passiert. Es gab seit über dreissig Jahren nicht mehr genug Lehrpersonal für die Menge an Studenten. Das hatte zwei Folgen. Erstens wurden die Professoren so vollständig mit der Lehre beansprucht, dass keine Zeit für erstzunehmende Forschung übrig blieb. Deswegen sind die Österreichischen Universitäten immer schlechter geworden. Ohne Spitzenforschung gibt es keine gute Lehre. Spitzenforschung kann es aber nur geben, wenn die Professoren Zeit dafür haben. Das hatten sie nicht. Sie hatten nicht einmal genug Zeit für die Studenten. Wie sollen tausende Studenten ihr Studium abschliessen, wenn es nicht genug Zeit gibt, um eine Abschlussarbeit zu besprechen? Sie können nicht.
Die Universitäten haben sich seit Kreisky in eine Maschine verwandelt, die einen grossen Zufluss, aber einen kleinen Abfluss hat. Mehr als eine bestimmte Menge an Studienabschlüssen konnte einfach nicht produziert werden. Der Rest der Studenten ist irgendwann ausgefallen. Der freie Zugang war eine Illusion, auf die bald eine grosse Frustration folgt. Die Hälfte der Studenten hat ihr Studium nie beendet. Die Hälfte der Studenten vergeudet wertvolle Jahre ihrer Jugend damit, eine Ausbildung zu machen, die sie nie verwenden werden. Auch dafür können sie sich bei Bruno Kreisky bedanken.
Die Probleme der Universität von Heute sind direkt auf die Massnahmen der Kreisky-Jahre zurückzuführen. Und jetzt wollen die Studenten genau das gleich noch einmal machen. Oder noch radikaler, um genau zu sein. Wenn es nach den Audimax-Besetzern geht, sollten nicht nur alle Österreicher, sondern auch alle EU-Bürger, alle nicht-EU-Bürger, und auch alle Langzeistudenten unbeschränkt und kostenlos studieren. Kein Wort wird darüber verloren, woher das Geld, die Gebäude oder das Personal kommen soll, um diese riesige Menge an Studenten zu betreuen. Wir wissen, was passiert, wenn die Forderungen der Studenten umgesetzt werden. Wir haben es schon einmal erlebt. Wir erleben es heute. Die Universitäten platzen aus allen Nähten, immer weniger Studenten schliessen ihr Studium ab und die Forschung verkommt vollständig.
Was denken sich eigentlich die Audimax-Besetzer? Wie kommen sie auf die Idee, noch mehr von dem zu fordern, was ihre Probleme gebracht hat? Wenn man den Reden der Organisatoren zuhört und wenn man die Gratis-Zeitung liest, wird einiges klar. Die Besetzer wollen keine Ausbildung. Sie wollen Bildung statt Ausbildung. Es geht ihnen um ein bestimmtes Bild der Welt. Dafür gibt es ein Fremwort: Ideologie. Eine sehr einseitige Ideologie. Dieses Bild sollte etwas zurechtgerückt werden. Ein Beispiel: Die "geschlechtsspezifische Stereotypisierung", der Frauen laut der Zeitung "Morgen" ausgesetzt werden. Auch auf die angebliche "Lohnschere" wird wieder einmal Bezug genommen. Typischerweise wird die "Lohnschere" ja folgendermassen dargestellt:
Was Frauen selbst verdienen
Arbeitseinkommen der Frauen im Verhältnis zu Männern
Frauen verdienen in Österreich im Schnitt je nach Studie um bis zu 25% weniger als Männer. Das hat mehrere Ursachen. Frauen arbeiten mehr Teilzeit, haben längere Krankenstände, unterbrechen ihre Karriere öfter, sind weniger bereit, im Ausland zu arbeiten. Vor allem aber wollen Frauen oft den Stress vermeiden, den man bekommt, wenn man eine verantwortungsvolle Stelle annimmt. Wenn man diese Unterschiede wegrechnet, bleiben immer noch 10%, bei manchen Studien auch nur 2% Unterschied übrig. Das mag für Manche noch immer zu viel Unterschied sein. Die Österreichische Hochschülerschaft spricht sogar ganz offen von "Diskriminierung". Sehr wissenschaftlich ist das nicht.
Wenn eine "Diskriminierung" behauptet wird, sollte man auch einen Mechanismus beschreiben, mit dem diese "Diskriminierung" funktioniert. Man sollte ein Experiment vorschlagen können, mit dem dieser Mechanismus überprüft werden kann. Einfach nur "Diskriminierung" zu sagen, weil man keinen besseren Grund gefunden hat, ist pseudowissenschaftlich. Dabei gäbe es doch wirklich aufschlussreiche Stellen, an denen tatsächliche Gründe für die Unterschiede gefunden werden können. Man muss nur in den gesamtgesellschaflichen Zusammenhang schauen. Dann wird einiges klar. Was jemand selbst verdient, ist eine Sache. Wieviel Geld er dann ausgeben kann, ist eine andere Sache. Beim verfügbaren Nettoeinkommen sind die Frauen nämlich sicher nicht benachteiligt. Im Gegenteil.
Was Frauen ausgeben können
Verfügbare Konsumausgaben der Frauen im Verhältnis zu Männern
Frauen geben um 150% mehr für Konsumausgaben aus als Männer. Warum? Weil sie das Geld ihrer Männer ausgeben. Weil sie selbst weniger Steuern zahlen. Weil sie mehr von den Transferleistungen profitieren als Männer. Und weil der Staat das Geld der Männer oft ganz direkt an die Frauen überweist. Bei getrennten Eltern wird das Einkommen des Vaters zu einem erheblichen Teil an die Mutter überwiesen. Dabei gibt es einige Ungereimtheiten. Erstens wird das Einkommen der Mutter nicht berücksichtigt. Das heisst: Auch wenn die Mutter mehr verdient als der Vater, muss der Vater zahlen. Der Vater muss auch dann zahlen, wenn er in Wirklichkeit die Hälfte der Betreuung übernimmt. Ausserdem muss der Vater auch dann zahlen, wenn er kein Einkommen hat. Mit der sogenannten "Anspannung" wird dem Vater vorgeschrieben, wieviel er zu verdienen hat. Von diesem verordneten Einkommen werden dann die Alimenten berechnet. Es gibt Väter in Österreich, die mehr Alimente zahlen, als sie Einkommen haben. Manche leben auf Kredit. Andere nehmen sich das Leben. Was ist "Diskriminierung"? Wenn ein Staat systematisch die Rechte einer Gruppe verletzt. Weil wir bei den Statistiken waren. So schaut die "Gleichstellung" im Familienbereich aus:
Macht der Frauen in der Familie
Alleinige Obsorge der Frauen im Verhältnis zu Männern
Frauen haben einen 900% höheren Anteil an Fällen mit alleiniger Obsorge über das gemeinsame Kind. Und das nicht deswegen, weil die Väter nicht wollen. Gerichte und Behörden lassen die Väter einfach nicht. Auch die Väter, die (noch) mit der Mutter zusammenleben, werden von dieser Tatsache beeinflusst. Jeder Vater weiss, dass er der Macht der Frauen hoffnungslos unterlegen ist. Väter sind daher viel mehr als Mütter gezwungen, in der Beziehung Kompromisse einzugehen. Weil sie wissen, dass eine Trennung für sie schlimmer ist als für die Mutter. Die Mütter entscheiden, die Väter werden zur Verantwortung gezogen. Also geht der Mann arbeiten, auch wenn er lieber in Karenz gehen will. Also arbeitet die Mutter nur, wenn sie die Arbeit "interessant" findet.
Das ist der gesamtgesellschaftliche Kontext. Frauen sind in Österreich seit über einem Jahrzehnt rechtlich gleichgestellt. Es gibt schon noch Diskriminierungen. Aber die richten sich ausschliesslich gegen Männer. Der schlimmste Bereich ist das Familienrecht. Ein unverheirateter Vater gibt seine Staatsbürgerschaft nicht an sein Kind weiter. Eine unverheiratete Mutter schon. Ein unverheirateter Vater hat nur Obsorge für sein Kind, wenn Mutter und Gericht zustimmen. Eine unverheiratet Mutter hat automatisch die Obsorge. Ein Vater kann nur dann in Karenz gehen, wenn die Mutter das erlaubt. Die Mutter kann immer in Karenz gehen, wenn sie das will. Ein geschiedener Vater wird vom Gericht auf die Funktion eines Besuchsonkels mit Bankomatfunktion reduziert. Eine geschiedene Mutter bekommt alle Unterstützung dafür, dass sie keine Einbussen in ihrem Lebenssstil ertragen muss. Die Frauen entscheiden frei und selbstbestimmt. Die Männer kennen nur Verantwortung. Und was macht die Östereichische Hochschülerschaft, wenn die Väter für Gleichberechtigung auf die Strasse gehen?
Anstatt den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu begrüssen, plant die ÖH eine Störaktion. Liebe Studenten: Überlegt es Euch einmal ganz im Ernst. Was ist Ursache, und was ist Wirkung? Sind die 25% Lohnunterschiede der Frauen Ursache für die Ungleichbehandlung im Familienbereich? Oder ist die Ungleichbehandlung im Familienbereich Ursache für die Lohnunterschiede? Was ist Ursache: Ein 25% Unterschied oder ein 900% Unterschied? Warum sollte jemand, der mit weniger Stress 150% mehr Geld ausgeben kann, eine starke Motivation haben, die eigene Karriere vor das Privatleben zu setzen? Es ist einfach zu offensichtlich: Die Unterschiede im Berufsleben sind nur ein schwacher Schatten der Diskriminierung im Familienleben. Wer die Unterschiede im Berufsleben beseitigen will, muss im Familienbereich anfangen.
Wer die Massenuniversität noch schlimmer machen will, als sie schon ist, schafft die Bildungsmisere von Morgen. Wer sich gegen die Gleichberechtigung der Väter wehrt, schafft die Einkommensunterschiede von Morgen. Der Protest gegen die Misere an den Universitäten ist wichtig. Aber wenn er hilfreich sein soll, müssen die Verantwortlichen anfangen, nach den Ursachen der Zustände zu fragen. Und die liegen nicht im globalen Finanzmarkt. Die liegen in Österreich.
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Comments
wie wärs mit..
..
quellenangaben für die studien?
nicht nur die forderungen herauspicken die grad ins bild passen
- demokratisierung der uni
- mehr geld für bildung/personal
- usw.. sind ja nachzulesen^^
wer heute immer noch behauptet eine lohnschere gibt es nicht kann schon nicht mehr ernst genommen werden.. RT
Seriöser Umgang mit Zahlen gewünscht? Selbst vorleben, bitte!
Ich beziehe mich auf die Zeitung "Morgen". Und dort gibt es ja auch keinerlei ernstzunehmenden Beweis für die Behauptungen. Aber wenn man sich den Fakten stellen will, habe ich sicher nichts dagegen. Wer an konkreten Zahlen ablesen will, wie die Gesetze und Gerichte die Väter benachteiligen, kann einen Blick auf die offizielle Statistik über das Verhältnis alleinerziehender Mütter zu alleinerziehenden Väter. werfen. Dass Frauen zwar selbst weniger Geld verdienen, aber mehr Geld ausgeben können, hat die Studie von Boston Consulting gezeigt, die im Sommer veröffentlicht wurde. Die Studie selbst ist nicht öffentlich zugänglich, daher kann ich keinen link dorthin anbieten, aber im Bericht im "die Standard" werden die wesentlichen Zahlen auch wiederholt: 70% des Konsum werden durch Frauen bezahlt. Das Geld dafür haben die Frauen also. In Österreich sind es sogar 72% der Konsumausgaben, die von Frauen kontrolliert werden. Wobei unter "Konsum" ja nicht nur das Essen fällt, sondern alles, was keine Investition ist, also das Leben der Menschen (Auto, Urlaub, Kleider, Schuhe, Schmuck, ...). Nachdem die marxistischen Feministen ja auch immer alle Zahlen im Verhältnis zu den Männern angeben, habe ich das auch so gemacht. 72% von der gesamten Summe für Frauen heisst, dass Frauen um 150% mehr haben als Männer. Die 25% Lohnunterschied, die immer so gerne zitiert werden, finden sich zum Beispiel in dieser Studie. Und wenn man sie durchliest, finden sich genug Hinweise auf andere Studien, bei denen der "unerklärte" Unterschied nur mehr 2% ausmacht oder gegen Null geht, je nachdem, wie genau nach den Ursachen für die Unterschiede gesucht wird. Allerdings sucht kaum jemand bei der Ursache im Familienbereich. Aber wer will, braucht nur eins und eins zusammenzuzählen. 900% Unterschied bei der Kontrolle über die Kinder, dadurch 150% Unterschied beim tatsächlich verfügbaren Einkommen und daher keine besondere Veranlassung, sich anzustrengen, die 25% Unterschied beim Bruttoeinkommen zu verringen. Wer mehr Geld mit weniger Arbeit hat, braucht sich bei der Arbeit nicht so sehr anzustrengen. Das kann man in der Statistik sehr gut sehen, aber man kann auch mit den Betroffenen reden. Die werden das bestätigen. Eine "Lohnschere" würde ja bedeuten, dass die Fraueneinkommen sinken und die Männereinkommen steigen. Das ist schlicht falsch. Schwachsinn wird nicht deswegen richtiger, weil man ihn oft gehört hat. Wenn Studenten etwas für ihre "Bildung" tun wollen, dann sollten sie diese Dogmen hinterfragen. Wer will, kann die Fakten sehen.