"MÄDCHEN brauchen Ihre Unterstüzung" Paten Werbung auf diepresse.at mit Senta Berger
Die Werbung:
http://www.plan-pate.at/plan-ueber-plan/?no_cache=1&gid=22815947
Mein Mailverkehr mit Plan International betreffend dieses Inserat:
Sehr geehrte Frau Haid,
eine Initiative die versucht bedürftigen Kindern mit Patenschaften zu helfen ist eine sehr gute Sache. Aber selbstverständlich nur eine die keinen Unterschied nach dem Geschlecht macht. Bei Ihrer Hilfe bewusst nach Geschlecht auszusortieren und DAMIT NOCH GROSS ZU WERBEN halte ich für sehr bedenklich und ehrlich gesagt sogar für sexistisch und diskriminierend.
Wie wird sich ein in Not geratener Junge fühlen wenn er feststellen muss, dass ihm nur deshalb von vorn herein nicht geholfen werden wird, weil er kein Mädchen ist. Von Ihrem Kleingedruckten „GRUNDSÄTZLICH Mädchen und Jungen gleichermaßen“ wird dieser Junge nichts bemerken. Er wird nur Ihr „im besonderen Maße Mädchen“ zu spüren bekommen.
Freundlicher Gruß,
Johannes
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Sehr geehrter Herr Mag.,
vielen Dank für Ihr Mail. Ich kann Ihre Ansätze nachvollziehen und verstehe natürlich Ihre Bedenken den Buben gegenüber.
Selbstverständlich haben wir auch ebenso Buben in unseren Programmgebieten und möchten auch diese fördern.
Leider ist es in unseren Projektländern immer noch so, das gerade die Mädchen am meisten benachteiligt werden. Wenn eine Familie es sich leisten kann eines ihrer Kinder in die Schule zu schicken, dann wird das immer zuerst ein Sohn sein. Mädchen müssen im Haushalt helfen und Wasser holen oder werden teilweise ganz weggegeben. Zudem ist auch eines unserer Anliegen die Mädchen vor Genitalverstümmelung zu schützen.
Aber wir möchten keinesfalls Buben ausschließen und letztlich kommen unsere Projekte beiden Geschlechtern gleichermaßen zugute. Es ist ja nicht so, dass ein Kind konkret unterstützt wird und auch nur wenn es ein Patenkind ist, sondern die Patenschaftsbeiträge fließen in die Projekte, welche in den Partner-Gemeinden umgesetzt werden und kommen so allen Kindern und ihren Familien, der ganzen Gemeinde zugute.
Die Schulen, Brunnen, Sanitäreinrichtungen etc. darf jeder aus der jeweiligen Gemeinde nutzen, nicht nur die Patenkinder und Ihre Familien. Die Patenkinder dienen vielmehr als eine Art Botschafter für Ihre Gemeinde.
Warum wir trotzdem aktiv Mädchen dafür auswählen hat den Grund, dass sie so die Chance haben wichtiger für die Gemeinde zu werden. Was nicht heißt wichtiger als die Buben, vielmehr bringt es sie auf dieselbe Stufe.
Sie sehen, wir möchten niemanden bevorzugen, vielmehr möchten wir eine Gleichstellung erreichen. Eine Gleichstellung, welche es in unserer Gesellschaft vielleicht schon einigermaßen geben mag, in unseren Projektländern ist es aber noch ein sehr weiter Weg dorthin!
Ich hoffe ich konnte Ihnen Ihre Bedenken nehmen und verständlich machen, warum wir diese Art der Unterstützung gewählt haben.
Sollten Sie noch weitere Fragen oder Wünsche haben, können Sie sich jederzeit gerne an mich wenden.
Mit lieben Grüßen
Nicole Haid
Plan International
Linke Wienzeile 4 / 2, DG 1+2
A - 1060 Wien
nicole.haid@plan-oesterreich.at
www.plan-oesterreich.at
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Von: Johannes [mailto:johannes.@chello.at]
Gesendet: Mittwoch, 31. März 2010 08:02
An: Haid, Nicole
Betreff: AW: Und Jungen?
Sehr geehrte Frau Haid,
danke für Ihre ausführliche Antwort die ich inhaltlich in etwa so erwartet habe.
Ich denke es ist ein folgenschwerer und mittlerweile in unserer Gesellschaft schon zu einer gar nicht mehr hinterfragten Gewohnheit gewordener Fehler, allen männlichen Menschen aufgrund ihres Geschlechts implizit die Attribute „gefährlich“, „potentieller Täter“ und „nicht förderungswürdig“ zuzuschreiben. Genauso wie man sich bei uns schon gewohnheitsmäßig - ohne sich noch die Mühe machen zu wollen zu differenzieren - moralisch im Recht glaubt, wenn man vorab allen weiblichen Menschen die Attribute „gut“, „potentielles Opfer“ und „auf jeden Fall förderungswürdig“ zuordnet. Über mittlerweile einige Jahrzehnte hat dieser Fehler bei uns zu krassen Benachteiligungen von vielen Männern geführt und zwar im Besonderen jener Männern die weder gefährlich noch potentiellere Täter und sehr wohl förderungswürdig sind.
Hier ein paar wenige Beispiele aus unserer Gesellschaft die andeuten sollen wohin diese systemimmanente Attributzuordnung nach Geschlecht geführt hat.
Ein Mann wird in Österreich immer mehr damit konfrontiert, das er zwar immer noch alle Pflichten der traditionellen Männerrolle hat, aber keine Rechte mehr.
Der Staat verhält sich widersprüchlich und alle etablierten Parteien folgen einer Doppelmoral:
Männer sollen Macht abgeben und sich mehr um ihre Kinder kümmern. Aber wenn sie das dann tun, werden sie vom Staat diskriminiert und in die Rolle des Geldbeschaffers zurückgezwungen. Das gilt im Besonderen dann, wenn sich Eltern trennen.
Haben Sie gewusst, dass die Staatsbürgerschaft nur mehr von der Mutter vererbt wird?
Dass uneheliche Väter alle Pflichten, aber keine Rechte haben?
Haben Sie gewusst. dass ein Vater in Österreich unter das Existenzminimum gepfändet werden kann?
Dass der Unterhalt für Kinder nicht nach dem wirklichen Einkommen bemessen wird, sondern
nach dem, was der Mann möglicherweise verdienen könnte?
Dass Väter, die in Karenz gehen wollen, bei der Mutter um Erlaubnis fragen müssen
(nicht so in Frankreich, jeder Elternteil hat dort nach freiwilliger Anerkennung des Kindes das Recht gleichermaßen viel Zeit mit dem Kind zu verbringen und zwar unabhängig vom Verlauf der Beziehung der Eltern)?
Dass auch Väter die in Karenz waren, nach einer Scheidung ihre Kinder nie wieder sehen, wenn es die Mutter so haben möchte (nicht so in Frankreich, wo der Staat generell das Doppelresidenzmodell sehr erfolgreich als Standardmodell vorsieht Hier hat Iustitia wirklich noch viel eher die Augenbinde umgebunden und schielt nicht nur nach den Geschlechtsteilen.)?
Dass es eine "Gleichbehandlungstelle" gibt, die sich nicht um den Familienbereich kümmern will? (Also um den Bereich in dem Männer ganz offensichtlichen groben Benachteiligungen aufgrund ihres Geschlechts ausgesetzt sind obwohl 2/3 der Beschwerden von Männern kommen).
Dass unser Pensionssytem vor allem deswegen unfinanzierbar wird, weil Frauen früher in Pension gehen obwohl sie weniger einzahlen und länger leben?
Dass in Österreich die Verfassung geändert wurde, um Männer gegen EU-Recht besser diskriminieren zu können (z.B. Pensionssystem)?
Dass es keine einzige allgemeine Verpflichtung für Frauen gibt, aber Männer gezwungen werden, ihre Familie zu erhalten und den Wehrdienst zu leisten?
Dass immer nur dort von Quoten geredet wird, wo sich die Frauen einen Vorteil versprechen und nie dort, wo Männer einen Vorteil haben würden?
Dass Frauen durch Transferleistungen, Pensionsungleichheit, kein Lohnausfall durch Präsenzdienst, Unterhaltszahlungn (Alimente)... deutlich mehr Geld ausgeben können als Männer und dennoch von einem Frauenministerium ohne ebenbürtigen Gegenspieler die Medien voll von angeblicher ungerechter Bezahlung für Frauen sind?
Dieser bedenkliche Zustand unserer Gesellschaft ist vermutlich auch der Grund warum Ihr Verein mit einer Werbeaktion die zumindest auf den ersten Blick nach außen hin ganz unverblümt darauf abzielt ausschließlich Mädchen fördern zu wollen glaubt, ein mehr an Spenden erhalten zu werden.
Förderung nach dem Geschlecht, was ja immer auch Diskriminierung von Menschen nach dem Geschlecht bedeutet ist zwar politisch leicht handhabbar aber viel zu ungenau und damit ungerecht.
Wissend wohin eine blinde Förderung nur nach dem Geschlecht führt sollten meiner Meinung nach auch Sie bei Ihren Förderungen auf echte Bedürftigkeit im Einzelfall achten.
Es wird auch Buben geben (z.B. Viertgeborener Bub einer armen Familie) die genauso wenig zu Bildung kommen wie Mädchen. Warum sollen diese Buben von vorn herein gegenüber Mädchen benachteiligt werden?
Nur weil man Ihnen pauschal Attribute zuordnet die auf sie gar nicht zutreffen? Wir müssen unsere Fehler nicht in Ihren Projektländern wiederholen.
Freundlicher Gruß,
Johannes
Sehr geehrter Herr Mag. ,
vielen Dank für Ihre Ausführungen zum Stand in Österreich. Plan International ist ausschließlich in 3. Welt Ländern tätig, wo die Sachlage noch ein bisschen anders ist. Da sind wir von einer Gleichberechtigung der Mädchen noch weit entfernt. Fakt ist auch, dass von unseren Projekten Buben ebenso profitieren wie Mädchen. Es wird von uns kein Geschlecht bevorzugt. Uns ist sehr wohl bewusst, dass evtl. auch ein 4. Geborener dieselbe Unterstützung benötigt, wie ein Mädchen und diese soll ihm auch zukommen. Wir wollen, dass alle Kinder gleichberechtigt leben und zur Schule gehen können, völlig egal, welchen Geschlechts.
Natürlich gebe ich Ihre Empfehlungen unsere Kampagne zu ändern an unser Marketing weiter, welches das zu entscheiden hat.
Ich bedanke mich für Ihre Hinweise und wünsche noch eine schöne Woche.
Mit lieben Grüßen
Nicole Haid
Plan International
A - 1060 Wien
nicole.haid@plan-oesterreich.at
www.plan-oesterreich.at

