Nach den Diskussionen um den Zivildienst der letzten Wochen ist es eindeutig klar: Der Wehrdienst und die "Gewissensprüfung" für den Zivildienst sind antiquiert.
Der kalte Krieg ist seit über zwanzig Jahren beendet und Österreich ist von Freunden umzingelt. Laut Staatsvertrag darf Österreich keine modernen Waffen wie Raketen und keine Massenvernichtungswaffen besitzen. Im Kriegsfall ist das Bundesheer entweder überflüssig (weil wir von unseren Europäischen Nachbarn verteidigt werden) oder wirkungslos (weil Österreich mit seiner veralteten Militärtechnologie in ein paar Tagen überrannt wird). Wozu braucht das Land dann noch ein Bundesheer? Es gibt schon noch Gründe.
Erstens muss Österreich zumindest den Schein wahren und so tun, als ob es sich selbst verteidigen könnte. Das verlangt der Staatsvertrag nämlich auch. Und zweitens geht es bei der "umfassenden" Landesverteidigung darum, das Land vor allen denkbaren Bedrohungen zu beschützen. Den klassischen Frontkrieg können wir nicht gewinnen, aber bei Naturkatastrophen, Grenzstreitigkeiten und terroristischen Bedrohungen sollte die gesamte Bevölkerung in den Schutz des Landes einbezogen werden. Die gesamte Bevölkerung? Noch nicht.
Frauen leisten für den Schutz unseres Landes nichts. Die Wehrpflicht gilt nur für Männer. Eine wirkliche Begründung dafür gibt es nicht mehr. Bei der umfassenden Landesverteidigung geht es ja gerade darum, die Sicherheit des Landes ganzheitlich zu sehen. Es geht um den Schutz der Zivilbevölkerung, um den Schutz der Kommunikationstechnologie, um den Schutz der Infrastruktur. Es sind also alle gefragt. Jede Berufsausbildung ist wichtig, jedes Wissen über notwendige Grundversorgung ist wichtig. Frauen finden sich mittlerweile in allen Berufen. Die Mehrheit der jungen Ärzte ist weiblich. Die Mehrheit der Journalisten ist weiblich. Es gibt weibliche Bauingenieure und weibliche Polizisten. Alle diese Ausbildungen sind bei der umfassenden Landesverteidigung gefragt. Es gibt keinen Grund mehr, auf dieses Potential zu verzichten.
Mit der Wehrpflicht der Frauen kann auch die veraltete Regelung beim Zivildienst endlich überarbeitet werden: Eine Monat Grundausbildung für Alle (zum Beispiel in Form eines Fitnessprogramms) und daran anschliessend ein Monat Spezialdienst. Der Spezialdienst kann wahlweise als Dienst an der Waffe, als technische Schulung oder als Dienst bei der Zivilbevölkerung beleistet werden. Krankentransporte sind durchaus ein Teil der umfassenden Landesverteidigung. Und Männer und Frauen können sich frei entscheiden, ob sie lieber den Umgang mit Waffen oder die Planung von Krankentransporten lernen. Dazu brauchen wir keine Gewissensprüfung. Und ein Monat Fitnessprogramm wird auch den Frauen gut tun. Einen Grund für ein halbes Jahr Pflicht für Männer und Null Pflicht für Frauen gibt es längst nicht mehr. Zwei Monate Wehrdienst für Frauen und Männer ist effizient und gerecht! Und ehrlicher.